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Welche Hilfe brauche ich für was und wie finde ich sie?
Von HP Georg Klaus
Das Panorama menschlicher Befindlichkeiten breitet sich von leichten Störungen aus über psychische Beeinträchtigungen im Alltag, über psychosomatische Erkrankungen bis hin zu körperlichen Erkrankungen, die psychische und seelische Symptome hervorrufen können. Die Suche nach professioneller Hilfe wird um so schwieriger, je allgemeiner und unklarer die Beschwerden werden und je umfassender sich das Problem für den einzelnen darstellt. Die Erfahrung zeigt, daß in vielen Fällen subjektiv empfundene Krankheitsbilder ohne eigentlichen Krankheitswert, d.h. ohne labortechnisch oder schulmedizinisch nachweisbare Grundlage den Grund für viele Arztbesuche bilden.
Versuche sich diesem Phänomen als psychosomatische- oder Zivilisationserkrankungen zu nähern, zeigen die Unsicherheit des Gesundheitssystems im Umgang mit weiter vernetzten systemischen Sichtweisen von Krankheit und Gesundheit. Wir haben es mit einer neuen Qualität von Leiden zu tun. Es läßt sich nicht mehr reduzieren auf einige wenige Parameter, sondern unterliegt den komplexen multifaktoriellen Einflüssen des heutigen Lebens in den Industriegesellschaften, auf die der Organismus in seiner Gesamtheit reagiert. Teilstörungen oder offensichtliche Symptome bilden häufig nur die Spitze des Eisbergs. Ihre Behebung oder Verbesserung können das Gesamterleben des Leidens nicht entscheident verändern, die Betroffenen fühlen sich auf Dauer weiterhin krank und geschwächt. Natürlich kann dadurch ein Gefühl entstehen, mit dem eigenen Leiden nicht ernst genommen zu werden. Schuldgefühle, Versagensängste und fortschreitende soziale Isolierung sind die Folge, besonders in einer Gesellschaft, die in ihrem veröffentlichten Selbstbild körperliche Fitness, geometrisch gestaltete Körperlichkeit und Verfügung über unbegrenzte körperliche Energiemengen in den Vordergrund stellt. Krankheit und Leiden suggerieren zugleich ein "nicht mehr mitmachen können" und werden als Wegweiser zum sozialen Abstellgleis verstanden.
Es stellt sich die Frage, wohin wir uns mit unseren Problemen wenden sollen. Für welches Beschwerdebild können wir welche Unterstützung annehmen, wo bekommen wir eine gezielte, aber umfassende Hilfe, wo werden wir mit dem subjektiv empfundenen Leiden ernst genommen. Wo können wir Informationen bekommen, die die Wahl des Heilungsweges erleichtern?
Lassen Sie uns zu Beginn drei Beschwerdeebenen unterscheiden.
1. Strukturelle Erkrankungen zeigen eine objektive Veränderung von Körpergeweben oder von biochemischen Abläufen und sind deshalb schulmedizinisch gut nachzuweisen und behandelbar. Beachten sie Beschwerden, die über mehrere Wochen auftreten und sich stetig verschlimmern. Das können zunächst durchaus unauffällige Dinge sein, wie ungewolltes Abnehmen oder Veränderungen in der eigenen Körperwahrnehmung. Auch eine Niedergeschlagenheit, die länger als 1 Jahr andauert oder länger andauernde Schmerzzustände gehören in die Hand eines Arztes oder Psychiaters.
Bemerke ich solch manifeste Symptome, die sich durch Schmerzen, Blutungen oder andere körperlich auffällige Symptome äußern, dann ist es sinnvoll zunächst schulmedizinisch klären zu lassen, worum es sich hierbei handelt. Ziel ist es dabei, einen möglichen Organdefekt auszuschließen.
2. Leide ich unter chronischen Störungen mit eher allgemeinen Symptomen und ist mein Leben dadurch erheblich eingeschränkt, habe ich eine längere Patienten- oder Medikamentenkarriere hinter mir, ohne das mir geholfen werden konnte, dann sind naturheilkundliche Therapien bei Naturheilärzten oder Heilpraktikern die richtige Wahl. Diese Störungen in der Funktion von Organen können auftreten, obwohl noch keine strukturelle Schädigung des Körpers nachzuweisen ist. Entstörende, entgiftende Maßnahmen mit Mitteln der alternativen Medizin können ein Ungleichgewicht der Körperfunktionen wieder harmonisch regulieren.
3. Die große Gruppe der Leiden in unserer Gesellschaft umfaßt allerdings Symptome, die nicht objektiv meßbar sind. Sie zeigen sich in individuellen Beeinträchtigungen, die für andere schwer nachzuvollziehen sind. So gibt es Lebenskrisen, deren Bewältigung sich chronisch in die Länge ziehen. Man kommt nicht so recht weiter, fühlt sich allein und hilflos. Man hat das Gefühl, ganz gut zurecht zu kommen, will aber eine Unterstützung von außen. Es will alles nicht mehr so recht von der Hand gehen, wie früher. Wir alle kennen sie: Seelische Fragen, existentielle Unsicherheiten, die sich als allgemeine Unzufriedenheit mit der derzeitigen Lebenssituation zeigen können, Fragen zur Lebensführung oder zur Weiterentwicklung aus einer beruflichen Stagnation, insgesamt also zum "roten Faden im Leben". Typischerweise treten diese Sinnkrisen in Zeiten auf, die sich durch äußerliche Veränderungen auszeichnen. Partner-, Berufs-, Generationenwechsel oder -verlust, eigene durchlebte Erkrankungen oder die Konfrontation mit existentiellen Erlebnissen können in ihrem Gefolge Krisen nach sich ziehen, die sowohl Körper, Psyche und Seele negativ beeinflussen. Religiöse oder spirituelle Fragen, die Suche nach universeller Eingebundenheit, nach einer geistig seelische Heimat gibt der Befindlichkeit eine eindeutige, wenn auch individuelle Färbung. Hierbei können Hilfen im seelischen Bereich, wie die geistige Heilung, die Annäherung an Meditation oder anderen humanistischen oder spirituellen Methoden eine wertvolle Unterstützung und Orientierung bieten.
Wie finde ich den geeigneten Berater Therapeuten.
Wenn sich die Fragestellung der eigenen Suche klarer darstellt, steht das nächste Problem an. Wo suche und finde ich Hilfe? Wem kann ich mich anvertrauen?
Der gesamte freie Psycho-, Esoterik-, und Heilermarkt ist beeinflußt ist von Marktinteressen. Es sind erhebliche Mengen Geld im Spiel, viele Aktive leben davon. Sie machen Werbung, sie führen Schnupperseminare durch, sie schreiben Artikel in Zeitungen und Büchern, sie geben Interwievs in Talkshows. Wer dies nicht tut, hat nachweislich weniger Kundschaft und dümpelt im Dunst des Vergessens dahin. Für Betroffene bedeutet dies jedoch, daß es viele Möglichkeiten der Information und des Kontaktes gibt.
Jeder kann sich in der einschlägigen Literatur ein Bild von dem unübersichtlichen Marktangebot machen, das die Nähe zu mittelalterlich chaotischen Marketenderstrategien kaum verleugnen kann. Wenn wir also als Betroffene Hilfe suchen, stehen wir zunächst vor einem unübersichtlichen unstrukturierten Geflecht von Angeboten und Versprechungen. Meine Erfahrung ist allerdings, daß die wirklich guten weniger Wert auf materielle Werbung legen. Ich bin ihnen erst im Laufe meiner eigenen Suche fast wie zufällig begegnet. Deshalb halte ich die Suchbewegung selbst für einen entscheidenden Motor, die Hilfestellung und Heilung zu finden.
Was sollten wir bei der Suche beachten, wo können wir beginnen?
Mir scheint also, der erste wichtige Schritt besteht darin, sich selbst auf die Suche zu begeben. Niemand kann dies stellvertretend für mich tun. Zunächst kann ich Bekannte fragen, Menschen, denen ich vertraue und mit denen ich über längere Zeit gute Erfahrungen gemacht habe. Sie können mir erzählen, wo sie Hilfestellung erfahren haben, was und wer ihnen gut getan hat. Vergessen sie Informationen über dritte, die sie nicht genau kennen und die eigentlich mit der Sache nichts zu tun haben. Reagieren sie nicht auf "Hörensagen", denn bekanntermaßen überhöhen sich Erlebnisse mit der Zahl der Weitersagungen. Sie entfernen sich von dem wirklich Erlebten, je öfter sie erzählt werden und gerinnen zu modernen Märchen.
Eine zweite Gruppe von Informanten sind Betroffene, die sich zur Zeit selbst in einer Krise befinden, darin Hilfe gefunden haben und auf ihrem Weg der Gesundung und Stärkung befinden. Sie bilden gleichsam ein Modell für mögliche Heilungswege.
Auch Vereine, Verbände und Selbsthilfegruppen bieten Informationssysteme an, die auf direkte Erfahrungen zurückgreifen können. Informieren sie sich aber genau, ob die Mitarbeiter und Fachleute aus verschiedenen Richtungen kommen, also Ärzte, Heilpraktiker, Psychologen oder Heiler sind. Häufig sind nur Vertreter einer bestimmten Richtung zugegen und sie bekommen ein Verkaufsgespräch für eben diese bestimmten Methoden und keinen Überblick. Fragen sie ruhig direkt, was es sonst noch gibt.
Vergessen sie nicht die gelben Seiten des Telefonbuchs. Und falls sie (oder ihre Kinder) über einen Computer mit Internet Anschluß verfügen, schauen sie ruhig einmal dort nach. Lernen sie sich durch das Gestrüpp der Angebote zu fragen und bilden sie sich selbst ihr Urteil, notfalls bitten sie eine Vertrauensperson, ihnen dabei zu helfen.
Lesen sie Bücher oder Zeitungsartikel, informieren sie sich an Hand der Beiträge über mögliche Wege und Auswege. Wenn sie dann einige Angebote zur Hand haben, dann stehen sie vor dem ersten Kontakt. Seriöse Heiler bieten diesen unverbindlich und kostenlos an. Vertrauen sie dabei ruhig ihrem Gefühl und ihrer Erfahrung, gehen sie auch mit ihrem gesunden Menschenverstand an die Sache heran und denken sie mit Erich Kästner daran: "Es gibt nichts gutes, außer man tut es".
Der erste Kontakt
Der Erstkontakt sollte in zwangloser Form in den Räumen des Heilanbieters stattfinden. Es sollte sich dabei um ein informelles, zwangloses Vorgespräch handeln. Im Folgenden möchte ich aus meiner Erfahrung als Hilfesuchender und als Therapeut einige Kriterien aufzählen, die bei der Wahl eine wichtige Rolle spielen.
1.) Folgende Erfahrungen deuten auf ein gelungenes Heilungsbündnis hin.
- Ich fühle mich in der Umgebung und den Räumen wohl
- Ich fühle mich von der Person des Heilers /Therapeuten angenommen
- Der Heiler ist an mir und meiner Geschichte interessiert
- Ich habe das Gefühl, Zeit zu haben
- Ich kann aussprechen und jederzeit unterbrechen
- Schon die erste Stunde hat mir etwas gegeben, ich habe die Überzeugung gewonnen, das ich Hilfe bekomme
- Es ist möglich, kritische Fragen zu stellen, ich kann Zweifel, Ängste und Befürchtungen äußern, ohne das es zu peinlichen Situationen kommt und ohne daß der Heiler/Therapeut sich rechtfertigt oder seine Methode verteidigt
- Ich spüre ein ruhiges sicheres Vertrauen, daß ich mich jederzeit öffnen kann und die Informationen nicht weitergegeben wird oder gegen mich ausgenutzt wird.
- Ich bin mir auch sicher daß ich jederzeit aufgefangen werden kann, sollte ich meine Grenzen selbst überschreiten
- Ich fühle ich mich angenommen und kann mir vorstellen, längere Zeit den Arbeitskontakt aufrecherhalten zu können. Ich kann die Hilfestellung akzeptieren, fühle ich mich darin aufgehoben und behütend geleitet.
- Ich nehme in mir ein spannendes Interesse an der gemeinsamen Arbeit wahr, ich spüre Neugierde und Freude bei dem Gedanken an die beginnende Therapie
- Ich spüre, daß ich gesund werden möchte, dieses Gefühl wird während der Sitzung verstärkt.
- Der Heiler/Therapeut spricht offen über seine Methode. Ich werde umfassend informiert über seine Sichtweise von Leiden, die Weltanschauung, er erklärt mir die Grundlagen seine Methode, er weist darauf hin, daß es andere Methoden gibt, er sagt, warum er sich selbst für die Methode entschieden hat und wie sie ihm selbst geholfen hat.
Der Heiler/Therapeut trifft mit mir eine klare Vereinbarungen über
- den zeitlichen Ablauf
- den zeitlichen Umfang. Hier ist es gut, eine bestimmte Stundenzahl zu vereinbaren und dann gemeinsam weiterzuplanen. Es muß möglich sein, jederzeit aufhören zu können.
- die entstehenden Kosten (auch die vermutlichen Gesamtkosten)
- die Kontaktmöglichkeit über die Sitzungen hinaus. Heiler/Therapeut sollte in Krisensituationen ansprechbar sein.
2.) Wenn sie dies fühlen, dann sollten sie genau achtgeben, vielleicht um ein weiteres Gespräch oder Bedenkzeit bitten und sich weiter auf die Suche begeben.
- Ich fühle mich interpretiert oder belächelt
- Ich fühle mich bedrängt, der Heiler/Therapeut kommt mir zu nahe, er will etwas
- Ich bekomme einen Exkurs in irgendeiner Philosophie oder Heilungsmethode
- Ich fühle mich festgehalten oder manipuliert.
- Man versucht mich von der Notwendigkeit dieser speziellen Behandlung zu überzeugen.
- Mir wird vermittelt, daß diese Behandlungsmethode für mich genau das Richtige ist. Mir wird vermittelt, daß diese Behandlung ein Allheilmittel gegen viele oder alle Krankheiten ist.
- Der Heiler/Therapeut hat für alle Probleme eine vorgefertigte Lösung.
- Der/ie Heiler/in präsentiert sich als als übermäßig übersinnlich begabter Erlöser und nicht normaler Mensch mit normalen menschlichen Fähigkeiten. Er gibt vor über geheime Heilkräfte zu verfügen.
- In der Gegenwart des Heilers spüre ich plötzlich ein neues tiefes bisher unbekanntes Gefühl. Er vermittelt mir, daß es seine besondere Heilkraft ist, die dies bewirkt.
- Ich fühle mich hin und hergerissen zwischen Angst und Faszination
- Der Heiler verspricht die rasche Lösung des Problems durch seine einfache Methode und ohne viel eigene seelische Mitarbeit, man muß sich nur hingeben
- Mir wird versprochen
- das es leicht wird
- das es keine Probleme geben wird
- das ich nicht an meine Grenzen gehen muß
- das der Therapeut oder "die Existenz" mir alles abnimmt
- Ich werde bedrängt
- zu einer neuen Einsicht
- zu einer frühzeitigen Ursachenfindung meiner Probleme schon in der ersten Stunde
- mein Problem kurzfristig "löschen" zu lassen
- zu einer schnellen Entscheidung über die Weiterarbeit
- zu einer Arbeitsverabredung über längere Zeit
- zu hohen Kosten, die ein schnelles Ergebnis garantieren sollen
- Generell ungünstige Einstellungen der Heiler zeigen, daß er/sie noch zu wenig selbst entwickelt ist und die Sitzungen für die Stabilisierung der eigenen psychischen seelischen Schwächen mißbraucht. Achten sie auf unverarbeitete Probleme, Angst vor Nähe und Sucht nach Zuneigung und Bestätigung, Schuldgefühle, Aggressionen, Sexualität, Opportunismus, zu starke Impulsivität und Extraversion, zu starkes Selbstwertgefühl, Mangel an Selbstreflexion, Machtbedürfnis und Lust bewundert zu werden, Angst vor Krankheit und Tod.
Das Ergebnis des Erstgespräches
Am Ende des Erstgesprächs sollten Fragen zu den Rahmenbedingungen, Zeit, Ort, Person und Methoden positiv beantwortet werden können. Vergessen sie auch ganz pragmatische Bedingungen nicht:
- Ist der Ort für mich leicht zu erreichen?
- Ist der Zeitrahmen für mich zu bewältigen?
- Liegen die Kosten im Rahmen meiner Möglichkeiten?
- Sagt mir die Methode zu, empfinde ich sie als hilfreich?
- Habe ich ein positives Gefühl u einer weiteren Zusammenarbeit, gehe ich gerne hin?
Vereinbaren sie auf jeden Fall nach dem Erstgespräch eine Bedenkzeit, überschlafen sie ihre Entscheidung, reden sie mit Menschen, denen sie vertrauen darüber. Beginnen sie erst, wenn sie sich sicher sind.
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